Tips und Hinweise zur Prüfungsklausur
 "Arbeits- und Organisationspsychologie"
für Bachelor Informatik, FernUniversität Hagen

Leo Meyer (leo@leomeyer.de), Fernstudent

November 2004

Disclaimer

Die hier vorgestellten Tips, Hinweise, Vermutungen und Schlussfolgerungen reflektieren meine persönliche Einstellung, Arbeits- und Denkweise und sind deswegen nicht ohne weiteres auf andere übertragbar oder uneingeschränkt sachlich und moralisch richtig. Für eventuell entstehende Schäden oder Klausurmisserfolg haftet der Anwender.

Die Zusammenstellung ist auch nicht vollständig; was an anderem Ort bereits geschrieben wurde, wird hier nicht wiederholt. Siehe dazu insbesondere auch die Literaturhinweise.

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Inhalt

Einleitung

"Das Was bedenke, mehr jedoch bedenke, wie!"

                                                                            
Goethe, Faust

Das Fach "A&O-Psychologie" ist eines der vier fachfremden Nebenfächer im Bachelorstudiengang Informatik. Es wird eine zweistündige Klausur geschrieben, bei der aus drei vorgegebenen Themen eines ausgewählt werden kann.
Dieses Skript wurde verfasst, um Studenten, die dieser Klausur zunächst wie ich gegenüberstehen (nämlich wie der sprichwörtliche Ochs vor dem Berg), einige Hinweise zu geben, wie auf diese Klausur erfolgversprechend gelernt werden kann. Die Klausurnote geht nämlich in die Endnote ein, daher sollte man sich schon einige Gedanken zur Nutzenoptimierung machen.

Zu meiner Ausgangslage:
Nach vier Semestern geisteswissenschaftlichen Studiums an der Universität Konstanz (Philosophie, Soziologie und Literatur des Mittelalters) habe ich zunächst mein Hobby, die Informatik, zum Beruf gemacht. Nach einigen Jahren im Job wollte ich meine fachlichen Kenntnisse noch offiziell "absegnen" lassen und habe mich deshalb an der FernUni Hagen in diesem Studiengang eingeschrieben. Mittlerweile (WS 2004/2005) habe ich das Grundstudium hinter mir; es folgen jetzt noch einige Nebenfachklausuren und die mündlichen Prüfungen in den Wahlfächern.

Die Skripte zur AO-Psychologie habe ich schon relativ früh bestellt und die Prüfung immer wieder hinausgeschoben. Ewig kann man das aber nicht so treiben, und da es nun einmal sein muss, Ärmel hoch und ran an die Arbeit! Aber wie soll man diesen Stoffberg bearbeiten, verstehen und sich auch noch merken? Besonders, wenn man stures Auswendiglernen nicht gern hat, so wie ich. Also muss man sich erst einmal über die Arbeitsweise klar werden; in geisteswissenschaftlichen Fächern unterscheidet sich diese nämlich erheblich von dem Vorgehen, das man sonst als "Naturwissenschaftler" bzw. Informatiker gewöhnt ist.

Geisteswissenschaft für Naturwissenschaftler - warum? Eine kleine Motivation für Informatiker

Einige sehr subjektive Vermutungen, warum das Fach AO-Psychologie als fachfremdes Pflichtfach für die Informatiker in diesem Studiengang aufgenommen worden ist:
1. Irgendjemand hat (mehr oder weniger willkürlich) festgelegt, dass "fächerübergreifendes Wissen" dadurch popularisiert werden soll, dass man vier fachfremde Pflichtfächer in den Studiengang einführt.
2. Einige Leute haben sich dann zusammengesetzt und sich die Fächer überlegt. Während Technisches Englisch, das BGB und die Managementkurse relativ früh festgestanden haben (und auch nachvollziehbar sind), war man sich über den letzten Kandidaten nicht so sicher; da man aber die verschiedenen Fakultäten einigermaßen gleichberechtigt einbeziehen wollte (auch zwischen den Fakultäten herrscht ein gewisser Konkurrenzdruck), oder ein Vertreter der AO-Psychologie überzeugend argumentiert hat, dass die AO-Psychologie ohnehin ein wenig den Status eines "Mauerblümchens" hat (gegenüber den "harten" Wissenschaften; das wird schon aus der Ausgliederung der Räumlichkeiten in Hagen deutlich), einigte man sich schließlich nach langen Diskussionen auf dieses Nebenfach. Die Interessen der Studierenden wurden dabei (natürlich?) nicht berücksichtigt.
3. Irgendjemand hat dann entschieden; die Prüfungsordnung muss ja offiziell genehmigt werden, und vielleicht war an dieser Entscheidung ein Geisteswissenschaftler maßgeblich beteiligt.

Als Folge dessen müssen sich nun die Informatiker in einer geisteswissenschaftlichen Disziplin bewähren, zu der sie a) erst mal keinen Zugang haben, und für die sie b) auch nur beschränktes Interesse aufbringen. Die Motivation für dieses Fach dürfte also bei den meisten Informatikern so ziemlich im Keller sein. Das muss aber nicht so bleiben, und deshalb kommen hier jetzt ein paar motivationssteigernde Hinweise.

Im Gegensatz zu den naturwissenschaftlichen Fächern, wo das Faktenwissen und seine Anwendung zentrales Anliegen des (Aus-)Bildungsganges ist, werden in den Geisteswissenschaften ganz andere Aspekte gefordert und gefördert. Hier geht es zentral um
- sauberes begriffliches Denken,
- wissenschaftliches Schreiben,
- wissenschaftliche Arbeitsmethodik (Suchen und Finden von Literatur, Vergleichen von Texten, Exzerpieren und Rezipieren).

Geisteswissenschaftliches Arbeiten ist also immer "Arbeiten am und mit dem Text", und hier liegt wohl auch die hauptsächliche Schwierigkeit für den Informatiker, für den Texte hauptsächlich ein Mittel zur Informationsübertragung, nicht aber Sinn und Zweck der ganzen Sache sind. Ich selbst musste mich erst wieder nach längerer "Abstinenz" an die geisteswissenschaftliche Arbeitsweise gewöhnen. Kreativität und eigenes innovatives Denken spielen natürlich, jedenfalls im Grundstudium, genausowenig eine Rolle wie in den Naturwissenschaften. Primär soll der Student nachweisen, dass er sich eine Arbeitsmethodik angewöhnt hat, die ein Prüfer, innerhalb gewisser Grenzen, als "wissenschaftlich" bewerten kann. 

Lasst euch aber nicht von dieser etwas despektierlichen Beschreibung ins Bockshorn jagen! Die Beschäftigung mit geisteswissenschaftlicher Materie bringt viele Vorteile und fördert die "Intelligenz" ganz ungemein; deshalb halte ich auch die AO-Psychologie nicht für eine Zeitverschwendung, sondern für eine Möglichkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen und Neues dazuzulernen; auch ist diese Prüfung eine Herausforderung, die bei Erfolg eine Erhöhung des Selbstwertgefühls mit sich bringen kann (vgl. Wiendieck, 1993, S. 169 ;-)

Dinge, die man in einem geisteswissenschaftlichen Studium "so nebenbei" lernt, sind:

  1. Die Fähigkeit, seine eigenen Überlegungen sachlich zu strukturieren.
  2. Die Fähigkeit, auf stilistische und strukturelle Genauigkeit und Sauberkeit beim Schreiben von Texten zu achten, und ebenso, diese als Maß für die sachliche Kompetenz und, wenn man so will, "Intelligenz" des Autors richtig einzuschätzen.
  3. Die Fähigkeit, wesentliche Informationen schnell zu erkennen und diese in ein eigenes System von geordneten Gedanken zu bringen, was das Lernen und Verstehen sehr erleichtert.
  4. Die Fähigkeit, leichter zu erkennen, wenn irgendjemand "bullshit" erzählt, also z.B.

Diesen Punkten können noch weitere hinzugefügt werden. Ich möchte jedoch nur, dass Du erkennst, dass die eigentlichen Lernziele lohnend sind und die Beschäftigung mit diesem Studienstoff dazu hinführen kann, Dir wirklich interessante und hilfreiche Impulse zu geben, denn:

Schließlich brauchst Du diese Kompetenzen irgendwann für die Bachelorarbeit!

Unabhängig von den ganzen methodischen Vorteilen ist natürlich auch der Stoff der AO-Psychologie, ungeachtet aller Ignoranz, die diesem gewöhnlich in der Praxis widerfährt, sehr lehrreich und interessant, und zwar schon zumindest deshalb, weil er uns alle (als arbeitende Menschen) betrifft und uns für konkrete Situationen auch sehr nützlich sein kann. Zum Beispiel kann es einem schon sehr viel bringen, wenn er weiß, auf welche Verhaltensweisen die Psychologen bei einem Assessment wirklich Wert legen, oder wie er seinen Vorgesetzten zu etwas mehr persönlichkeitsfördernden Umständen anregen könnte. Und schließlich kann jeder einzelne auch sein eigenes Handeln gemäß der AO-Psycho-Theorien analysieren, sehen, inwieweit er sich in eines der Modelle einordnen lässt, und überlegen, wie er es besser anstellen könnte ;-)

Die Anforderungen der Klausur

Nach so viel Motivation wollen wir jetzt wieder unseren Stolperstein ins Auge fassen, nämlich die anstehende Klausur. Hier gibt es einige Probleme, die zunächst unüberwindlich scheinen. So wird mancher zum ersten Mal eine solche Klausur schreiben und sich deshalb über die realen Anforderungen im Unklaren sein. Das liegt daran, dass er bisher noch kein Feedback darüber erhalten hat, ob seine Arbeit den Anforderungen entspricht; gewöhnlich wird er deshalb die Anforderungen über- und seine eigene Kompetenz unterschätzen. Es soll helfen, die Einsendeaufgaben zu bearbeiten; persönlich halte ich das für fraglich, da es weder Musterlösungen gibt noch die Anforderungen der EAs den Klausuranforderungen entspechen. Allerdings habe ich die EAs nicht bearbeitet und kann daher auch nicht der Weisheit letzten Schluss von mir geben. Empfehlenswert ist die Bearbeitung unbedingt.

Wichtig ist jedoch, dass man sich die Anforderungen der Klausur so gut wie möglich klar macht und diese beim Lernen berücksichtigt.

Aus den Tips auf den Webseiten des Fachbereich AO-Psychologie sowie dem sehr lesenswerten Posting von Frau Marion Preisendanz können für die Klausur folgende offizielle Anforderungen extrahiert werden:

  1. Gefragt sind Theorien und Modelle, sowie empirische Untersuchungen, die diese stützen bzw. widerlegen (Faktenwissen).
  2. Es wird unbedingt eine Gliederung verlangt (strukturierendes Können).
  3. Für die Informatiker wird die Anwendungsseite stärker gewichtet (kulanter Handlungsspielraum, dankeschön!).
  4. Es werden Definitionen der wichtigsten Begriffe verlangt (wie in der Mathematik, Faktenwissen).
  5. Es gibt bestimmte Anforderungen an den Schreibstil (formales Können).
  6. Unbedingt wichtig ist die strikte Einhaltung des Themenbezugs.

Schaut man sich die Bewertungskriterien genauer an, wird man vielleicht von den hohen Anforderungen entmutigt sein. Andererseits wird bekanntlich nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ich habe deshalb die für mich wesentlichsten Anforderungen unter dem Gesichtspunkt der geisteswissenschaftlichen Arbeitsweise etwas umformuliert. Konkret sind das:

  1. Die offiziellen Anforderungen: Man soll zeigen,

    Zudem gibt es natürlich noch "inoffizielle" Anforderungen, die zwar so nicht formuliert werden würden, die aber nichtsdestotrotz beim Korrektor einen guten Eindruck machen und vermutlich zur Verbesserung der Note führen.

  2. Die inoffiziellen Anforderungen: Man soll zeigen,

    Wie man dies alles zeigt? Nun, indem man es macht! ;-)

Was definitiv nicht verlangt ist und zur Verschlechterung der Note führt, ist:

alles Versuchungen, denen man als Fachfremder leicht unterliegen könnte.

Diese recht abstrakten Anforderungen kann man noch weiter konkretisieren und unterteilen, nämlich in

  1. Formale Anforderungen
  2. Stilistische Anforderungen
  3. Inhaltliche Anforderungen.

Da diese für das Lernen und für die Klausur eine wichtige Rolle spielen, sollen sie hier etwas ausführlicher dargestellt werden.

1. Formale Anforderungen

Die Klausur hat aus folgenden Teilen zu bestehen: Deckblatt, Einleitung, Gliederung, Hauptteil, Schluß. Insofern entspricht sie, bis auf das Deckblatt und die Gliederung, den formalen Anforderungen eines Deutschaufsatzes, wie ihn jeder von der Schule kennt. Man sollte mindestens sechs bis acht Seiten abliefern, was nicht allzu schwer ist - die vorgegebenen Blätter sind liniert und haben großzügige Ränder. Je mehr man schreibt, umso besser.

Das Deckblatt

Das Deckblatt ist im vorgegebenen Papier enthalten und besteht aus einer Kopfzeile, in der Name, Matrikelnummer und das gewählte Thema eingetragen werden. Auf dem Rest der Seite kann man mit der Klausur beginnen.

Die Einleitung

Die Einleitung kommt auf das erste Blatt nach dem Deckblatt. Sie wird vorzugsweise ganz zum Schluss der Klausur geschrieben und soll dem Korrektor einen groben Überblick über den Aufbau der Klausur vermitteln. Sie soll kurz, knapp und sachlich sein.

Die Einleitung ist nicht Teil der Gliederung.

Die Gliederung

Diese wird zuerst gemacht und auch fast zuerst vom Korrektor gelesen. Sie dient als strukturierende Vorbereitung für die Ausarbeitung des Hauptteils und wird folgendermaßen aufgebaut:

Gliederung:
1. Definitionen
2. Vorstellung der Theorien
  2.1 Theorie T1
    2.1.1 Vorstellung
    2.1.2 Anwendung
    2.1.3 Kritische Betrachtung
  2.2 Theorie T2
    ...
  2.n Theorie Tn
    ...
  2.n+1 [eventuell] Abgrenzung der Theorien
3. Bezug zur Praxis (Beispiele o. ä.)
  3.1 Beispiel 1
  3.2 Beispiel 2
     ...
4. Schlussbetrachtung/Zusammenfassung

Wenn man will, kann man zwischen Definitionen und Theorien noch eine Hinführung zum Thema einschieben, mit einer kleinen Vorstellung des Hintergrundes, auf dem man die anschließenden Überlegungen anstellt. Hierher gehören z.B. die historische Entwicklung der Theorien, die Veränderungen des psychologischen Menschenbildes usw.

Für die Gliederung kann gelten: Lieber etwas feiner untergliedern! Erstens schafft das Fülle, zweitens erweckt es den Eindruck größeren Übersichtswissens, drittens bewirkt es eine saubere Struktur. Natürlich sollte man dann aber auch wissen, was zu den einzelnen Punkten zu schreiben ist. Und die Gliederung sollte Sinn machen; z.B. bringt es nichts, jeden einzelnen zu definierenden Begriff in der Gliederung anzuführen.  

Sich die Gliederung erst während der Klausur einfallen zu lassen, halte ich nicht für sinnvoll. Diese muss während der Prüfungsvorbereitung für mögliche Themen vorbereitet werden, damit sie zu Anfang der Klausur abgespult werden kann. Lernt man die Gliederung auswendig, kann man die eigentlichen Theorieinhalte daran "aufhängen"; die Wahrscheinlichkeit des Vergessens wird geringer. An das konkrete Thema muss man die Gliederung natürlich anpassen. Das wird insbesondere davon abhängen, ob Vergleiche gefordert sind oder die Diskussion von Praxisbeispielen o.ä. Im Normalfall wird die Gliederung allerdings immer so ähnlich aussehen wie im Beispiel oben, d.h. Definitionen - Theorien - Beispiele - Schluss.

Zum Punkt "Kontextuelle Einbettung der Arbeit (Historie)": Will man sich die Mühe machen und auf eine Eins lernen, so gehört die historische Entwicklung der Theorien vor deren Vorstellung, also zur Einleitung, oder, wenn man eine Hinführung schreibt, zu dieser.

Beispiele für mehr oder weniger gelungene Gliederungen finden sich in den Klausuren und Hausarbeiten, die nette Kommilitonen und Kommilitoninnen ins Netz gestellt haben (siehe Literaturhinweise). Sollte man sich unbedingt ansehen. Eine gute Gliederung ist die halbe Miete.

Die Ausarbeitung (Hauptteil)

Das Folgende ist leider für die Klausur nicht anwendbar, da durchnummerierte zweiseitig beschreibbare Blätter vorgegeben werden. Ich lasse es trotzdem stehen, als Tip für andere Klausuren.

[[[ Ich empfehle, die Ausarbeitung der einzelnen Unterpunkte zumindest auf der Ebene der Theorien und Beispiele auf neuen, leeren Seiten zu beginnen. Die Blätter beschreibe ich normalerweise nur einseitig. Das hat den Vorteil, dass es mehr Umfang vortäuscht und zweitens zu einer saubereren Klausur führt. Eine Reinschrift sollte wirklich eine "Reinschrift" sein: Streichungen, Einfügungen und dergleichen machen einen schlechten Eindruck. Hat man sich einmal verschrieben oder in eine unsinnige Argumentation verstrickt, sind andere Punkte davon dann nicht betroffen; man kann auf einem neuen Blatt anfangen und muss wenigstens nicht alles noch einmal schreiben oder die Klausur durch Streichungen oder Einfügungen verunstalten. Die einzelnen Titel der Gliederung müssen unbedingt bei der Ausarbeitung wiederholt werden. Auf jeden Fall sollte man dem Korrektor auch einen ausreichenden Rand lassen.

Nicht vergessen: Auf jedes Blatt gehört oben links die Seitennummerierung ("Seite 2"), oben in die Mitte z.B. der Text "Klausur AO-Psychologie B. Sc. Inf." mit Datum, und rechts oben Name und Matrikelnummer. Das macht einen guten Eindruck ;-)  ]]]

Sonstige formale Anforderungen

Sauberkeit des Schriftbildes und Leserlichkeit ist ein Muss. Damit tut man dem Korrektor einen Gefallen und "stimmt ihn milde" (Zitat Webseite AO-Psychologie).

Zum Schluss wird die Klausur nochmals auf dem letzten Blatt unterschrieben. Übrigens: Es macht sich besser, die Klausur mit Tintenfüller zu schreiben als mit Kuli. Das wirkt persönlicher und bewirkt auch (jedenfalls bei mir) ein besseres Schriftbild.

Hält man sich an diese formalen Anforderungen (was nach Frau Preisendanz die meisten Informatiker ja leider nicht tun), erntet man beim Korrektor schon mal einen Bonus, da sich die Arbeit wohltuend von den anderen abhebt. Allerdings nur so lange, bis sich diese Infos herumgesprochen haben ;-)

2. Stilistische Anforderungen

Schreibstil

Grundsätzlich gilt in jedem Fach, dass sich der Schreibstil in Klausuren an den Fachtexten zu orientieren hat. So wird z.B. in Jura meist der sogenannte "Gutachtenstil" verlangt. Man kann den Schreibstil der AO-Kurse unter sprachwissenschaftlichen Aspekten genauer untersuchen; dabei werden einem vor allem folgende Punkte auffallen:

Wiewohl sich die Autoren der Kurse sichtlich um Klarheit bemüht haben, fällt die Sprache der AO-Psychologen durch eine bemerkenswerte Schwammigkeit und Vieldeutigkeit (im Vergleich zu anderen naturwissenschaftlichen Fachsprachen) auf. Während das einen Neuling oftmals zur Verzweiflung treiben kann, bin ich der Ansicht, dass man dies als Chance auffassen sollte; entsteht doch dadurch bei Beherzigung einiger einfacher Regeln ein bemerkenswerter Freiraum des Ausdrucks.

Prinzipielle und sehr wichtige Regeln zum Schreibstil sind:

Schreibe also nicht:
"Die Untersuchungen von v. Rosenstiel (1978) konnten zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen der Einführung selbständig arbeitender Gruppen und der Verringerung von Fehlzeiten besteht." 
(Stil "laienhaft", "ohne Stringenz", "ohne Verwendung von Fachtermini".)

Das kann man auch so formulieren:
"Die von v. Rosenstiel postulierte Korrelation zwischen der Bildung innerbetrieblich-teilautonomer Arbeitsgruppen und verringerter Fluktuation sowie reduziertem Absentismus konnte zweifelsfrei durch empirische Felduntersuchungen nachgewiesen werden (v. Rosenstiel, 1978)."

"Wissenschaftlich" an diesem Beispiel sind folgende Aspekte:

Der Vorteil hoher Fremdwortverwendung liegt darin, dass durch die Uneindeutigkeit der Nebenbedeutungen (Konnotationen) dem Korrektor ein Interpretationsspielraum entsteht. Bei Sympathie wird er also zur besseren Note tendieren können.

Es soll aber auch davor gewarnt werden, sinnlos "herumzuschwallen" (Preisendanz, 2001 ;-) Wie oben bereits erwähnt, können Geisteswissenschaftler, insbesondere die an der Uni, die damit jeden Tag zu tun haben, sehr wohl inhaltsloses Gelaber von tatsächlich gehaltvollem Text unterscheiden. Im Extremfall verärgert man damit den Korrektor. Allerdings hat auch ein Korrektor nicht immer ein Fremdwörterbuch zur Hand und schon gar nicht alle Fremdwörter im Kopf; wenn man sich also gewagte Konstruktionen wie z.B. "den sinnstiftenden Aspekt konvolutiver Handlungsspielraumsvergrößerungen" ausdenkt, dürfte die Wahrscheinlichkeit relativ gering sein, dass das Wort "konvolutiv" (von dem ich im übrigen nicht mal genau weiß, was es bedeutet), vom Korrektor nachgeschlagen wird.

Dieser Stil muss unbedingt geübt werden; die Fachbegriffe lernt man wie Vokabeln nur durch wiederholtes Lesen und Anwenden. In der Klausur könnte man die wichtigsten Stichworte eines Satzes aufs Konzeptblatt schreiben, danach überlegen, wie man den Satz am besten verkompliziert, und die fertige Version dann ins Reine schreiben.

Rechtschreibung

Wiewohl Rechtschreibfehler im akademischen Umfeld streng verpönt sind, gibt es wenige Menschen, die sich einer absolut fehlerfreien Rechtschreibung rühmen können - insbesondere nach der Rechtschreibreform. Liest man sich die AO-Skripte genauer durch, fallen viele Nachlässigkeiten auf, von denen ein Teil sicher unter die Kategorie "Tippfehler" fällt und somit nicht relevant ist; andere aber haben schon etwas mehr "Methode". Bei v. Rosenstiel (Arbeitsgruppe und Führung, 4756) findet man z.B. konsistent die Schreibweisen "minuziös" statt "minutiös", "rekuriert" statt "rekurriert". Kommafehler haben fast schon System: diese findet man häufig vor Nebensätzen (z.B. "das worauf es ankommt" statt "das, worauf es ankommt"), nach bestimmten Wendungen (z.B. "Es geht darum die Aufgaben zu reduzieren" statt "Es geht darum, die Aufgaben zu reduzieren" und insbesondere nach speziellen Satzanfängen (z.B. "Bezugnehmend auf Bihl, können wir annehmen" statt "Bezugnehmend auf Bihl können wir annehmen"). Verwechslungen von "dass" mit "das", einer der häufigsten Rechtschreibfehler überhaupt, sind erfreulicherweise recht selten.
Die Kurse sind z.T. schlampig redigiert: "Symbolde" (Wiendieck, 1993, S. 58), "Sysstem" (ders., S. 62), nur als Beispiele zu nennen.

In der Klausur sollte man selbstverständlich darauf achten, ohne Rechtschreibfehler zu schreiben (ach ja?! ;-) Allerdings... perfekte Schönheit braucht einen kleinen Fehler... wenn man also Sympathien wecken will, kann es sich lohnen einen kleinen Rechtschreibfehler einzubauen (so wie hier). Eine Methode für Perfektionisten... ;-)

Zitate und Pseudozitate

Die Verwendung von Zitaten in der Klausur setzt voraus, dass man die entsprechende Textstelle Wort für Wort auswendig kann, was nur bei extrem motivierten Studenten der Fall sein wird. Wir übrigen können uns mit einer Technik behelfen, die man als "Pseudozitat" bezeichnen könnte. Zitate werden bekanntlich in Anführungsstrichen geschrieben, um sie als solche kenntlich zu machen. Fällt einem der Wortlaut nicht ein, kann man sinngemäß zitieren, z.B. "... der Reflexionshypothese mangelt es an intrinsischer Kohärenz (Dumpfkopf, 1983)", in der Hoffnung, dass der Korrektor die Textstelle nicht nachschaut. Das sollte man allerdings nicht übertreiben. Besser ist dann die Verwendung indirekter Rede, z.B. "Schon Dumpfkopf hat 1983 bemerkt, der Reflexionshypothese mangle es an intrinsischer Kohärenz." Hier ist der genaue Wortlaut dann nicht mehr so wichtig. Man beachte die Verwendung von "..." zur Kennzeichnung von Auslassungen; manche schreiben auch "[...]". Es ist unbedingt zu empfehlen, formal korrekt zu zitieren, das wirkt nämlich ungemein wissenschaftlich und ist auch eine der Anforderungen, die ein Geisteswissenschaftler beherrschen muss. Das zu lernen, ist nicht schwer. Weitere Tips hierzu unter den inhaltlichen Gesichtspunkten.

Autorenangaben

Eine Anforderung der Klausur besteht darin, die Namen der Autoren und das Publikationsdatum mit den Theorien/Modellen/Untersuchungen anzugeben. Diese Anforderung ist eigentlich gar nicht so wild, wie man sich beim ersten Lesen vorstellen könnte. Die Namen der Autoren und das Datum lernt man einfach mit auswendig ;-) Sehr wichtig ist die korrekte Angabe des Namens! Herr Prof. Dr. Lutz von Rosenstiel wird nicht als "Rosenstiel, 1979" zitiert, sondern als "v. Rosenstiel, 1979". Gut macht es sich auch, die Quellenangabe ausführlich hinzuschreiben, z.B. "Greif et al., Arbeits- und Organisationspsychologie, 1989." Siehe dazu auch Trick 17b.

3. Inhaltliche Anforderungen

Umfang und Gehalt

Hut ab vor dem oder der, der oder die den ganzen Stoff der Kurse bearbeitet, auswendig lernt und dann auch noch in der Klausur eine Eins schreibt! Für solche StudentInnen ist dieser Text sicher nicht geschrieben. Hier geht es eher um die Frage, wie wir mit möglichst wenig Aufwand ein optimales Resultat erreichen.

Völlig klar ist, dass man in nur zwei Stunden Klausurzeit nicht alle Aspekte der AO-Psychologie behandeln kann. Es bringt also auch nichts, alle Aspekte zu lernen. Wichtig ist, sich auf Teilbereiche zu beschränken und diese einigermaßen sicher zu beherrschen. Man kann davon ausgehen, dass von den vergangenen Klausurthemen drei zur Auswahl gestellt werden; also müsste es genügen, zwei der sich oft wiederholenden Themen auszuwählen, diese gut zu lernen, und dann zu hoffen, dass mindestens eines davon drankommt.

Man kann aber ebenfalls davon ausgehen, dass die Fragen so gestellt sind, dass sie mehrere Kapitel des Kurstextes einbeziehen. Man kann also (leider) nicht nur die einzelnen Kapitel separat lernen, sondern muss sich auch aus anderen Teilen notwendige Informationen und Theorien heraussuchen. Das verkompliziert die Vorbereitungen.

Beispiel: Frau Preisendanz erwähnt in ihrem Schreiben für das Thema "persönlichkeitsförderliche Arbeitgestaltung" das "Job Characteristics Model". Dieses wird im Kurstext 4751 nur am Rande erwähnt, und zwar nicht unter "Arbeitsgestaltung", sondern unter "Arbeitsanalyse" (S. 144f). Desgleichen im Kurstext 4752, S.112. Zum Verständnis dieser Theorie braucht man daher unbedingt Sekundärliteratur (z.B. Ulich, 1994, sehr gut).

Mehr als drei Theorien zu bringen, halte ich nicht für sinnvoll, schon aus Zeitgründen, besonders, wenn man diese dann noch miteinander vergleichen oder Beispiele angeben soll. Außerdem wird die ausführliche Darstellung weniger Theorien im allgemeinen überzeugender wirken als die oberflächliche Abhandlung vieler. Auf die weggelassenen Theorien kann immer noch am Schluss verwiesen werden.

Außer den Theorien selbst wird meistens entweder noch ein Vergleich derselben oder die Diskussion von Praxisbeispielen verlangt. Nützlich ist es daher, die Vorstellung der Theorien möglichst schnell zu Papier zu bringen. Das schafft einem Zeit zum Überlegen für den Anwendungsteil.

Während der Vorbereitung sollte man unbedingt die Inhalte in eigenen Worten formulieren. Zwar werden Fachbegriffe verlangt, in der Klausur wird aber auch die eigene Darstellung gefordert und nicht nur das mechanische Reproduzieren.

Wie aber wird das, was wir da schreiben, eigentlich bewertet? Das ist schon eine interessante Frage.

Die Bewertung der Klausur: Der Lösungsschlüssel

Der Korrektor ist auch (nur) ein Mensch und hat vielleicht nicht einen so gewaltigen Spaß am Korrigieren von Klausuren, wie man möglicherweise glauben könnte. Er wird daher die Klausur so schnell wie möglich korrigieren wollen und sich (genau wie wir beim Lernen) dazu einiger Arbeitshilfen bedienen. Zum Beispiel wird er zum entsprechenden Thema einen Lösungsschlüssel vor sich haben (wer glaubt, die Korrektoren wüssten alles auswendig, irrt sich gewaltig). Sich einige Gedanken über diesen Lösungsschlüssel zu machen, kann einem viel helfen; einige Vermutungen über den wahrscheinlichen Gehalt desselben können also nicht schaden.

Ein Lösungsschlüssel wird normalerweise vom Autor der Klausurthemen für die spezielle Fragestellung mit entworfen. Sein Inhalt ist die Maßgabe für die Bewertung Deiner Klausur.
Der Lösungsschlüssel wird auf jeden Fall die Definitionen, Theorien, Modelle und empirischen Untersuchungen aus dem Kurstext enthalten, die für das Thema relevant sind. Natürlich mit Namen und Jahreszahlen. Zu jeder Theorie oder Modell o.ä. sind die Kernaussagen stichwortartig notiert; beim Korrigieren der Klausur gleicht der Korrektor Punkt für Punkt ab, ob alle Theorien und alle ihre Kernaussagen undsoweiter aufgeschrieben worden sind. Die Reihenfolge der Punkte ist dabei nicht allzu wichtig. Man macht sich also zur Klausurvorbereitung seinen eigenen "Lösungsschlüssel", wie man sich diesen eben vorstellt, und lernt ihn dann auswendig. Oberste Kriterien zur Bewertung der "Richtigkeit" für den Korrektor sind ganz eindeutig die Verwendung der Fachbegriffe sowie die Vollständigkeit, und natürlich auch, ob die Aussagen alle stimmen.

Möglicherweise enthält der Lösungsschlüssel noch Hinweise auf weiterführende Literatur zum Thema (für die Einserkandidaten), historische Hinweise (ebenso), aktuelle Forschungsergebnisse und Bewertungshinweise (Gewichtung).

Sehr gute Beispiele für Lösungsschlüssel findet man in den "Lösungen zu den Übungsaufgaben". Ich empfehle, diese als Grundlage für die eigene Klausurvorbereitung zu nutzen. Um ein bisschen hinter die "Denkweise" der Klausurthemen-Autoren zu kommen, nimmt man sich die Einsendeaufgaben zu den Kursen vor.

Definitionen

Bei den Definitionen stellen sich zwei Fragen: Welche soll man überhaupt angeben, und wie muss man diese angeben? Gefordert ist: "Definieren Sie zentrale Begriffe zu Beginn." (Preisendanz, 2001). Aber welches sind die zentralen Begriffe? Zentrale Begriffe in der Psychologie (und allgemein in der Wissenschaft) sind solche, die über ihre allgemeine Bedeutung in der Sprache hinaus eine spezielle Bedeutung enthalten. Abgesehen von speziellen Wortkreationen (z.B. "Motipulation" - aus "Motivation" und "Manipulation"; gibt es wirklich! ;-) erkennt man diese Wörter vor allem daran, dass sie entweder im Kurstext oder in einem Glossar definiert werden. Begriffe, die in den Kursglossarien vorkommen und die man in der Klausur verwendet, sollte man auf jeden Fall definieren; deren Bedeutung ist meistens auch nicht umstritten. Hier helfen auch zusätzliche Lehrbücher, vor allem deren Register, Indizes und Glossarien, enorm weiter.
Theoriespezifische Begriffe, z.B. "Organisation", werden von den einzelnen Autoren unterschiedlich definiert, je nachdem, wo diese ihre Schwerpunkte setzen. Also gehört die Definition dieser Begriffe zu den Beschreibungen der Theorien. Diese brauchen nicht unbedingt abgesetzt in einem anderen Unterpunkt der Gliederung zu erscheinen, sondern können in die Beschreibung eingeflochten werden.
Begriffe, die in der Psychologie zum allgemeinen Grundwissen gehören, z.B. unabhängige Variable (UV), abhängige Variable (AV), Signifikanz und dergleichen, muss man nicht definieren - diese werden auch im Kursmaterial vorausgesetzt (in der Annahme, der Informatiker wisse schon, worum es geht). Solche Abkürzungen würde ich zum Großteil nicht mal ausschreiben, außer es handelt sich um zu definierende Begriffe - das erweckt den Anschein der Souveränität, und dem Korrektor muss man die Grundlagen nun wirklich nicht mehr erklären. Insofern dient die Angabe der Definitionen nur dazu, dem Korrektor klarzumachen, ob Du weißt, über was Du da schreibst, und natürlich, um die Klausuranforderungen zu objektivieren.

Wie man die Definitionen angibt? Am besten wortwörtlich wie im Kurstext und mit Quellenangabe. Denn auch für die Definitionen gibt es einen Lösungsschlüssel. Das heißt (wieder mal): Auswendiglernen. Die Fähigkeit, Stoff auswendig zu lernen, sollte man nicht unterschätzen. Mit wenig beeindruckt man so sehr wie mit extensivem Faktenwissen, zumal, wenn eigenes Denken nicht oder nur am Rande gefragt ist. Das gilt auch für diese Klausur.

Autorenzitate

[Trick 17b] Was der Lösungsschlüssel ganz sicher nicht enthält, sind alle Zitate von allen Autoren, die zu diesem Thema jemals etwas geschrieben haben. Diese weiß der Korrektor also nicht, er wird sie wohl auch nicht nachschlagen, und hier liegt die Chance, ein bisschen zu tricksen. Zur AO-Psychologie gibt es jede Menge einführende Lehrbücher, die auch der Korrektor sicher kennt. Man kann also ganz einfach auf diese Lehrbücher verweisen, z.B. "vgl. Greif et al., 1989". Seitenzahlen müssen zum Glück nicht mit angegeben werden, und dass ein Korrektor ein 800-Seiten-Lehrbuch durchblättert, um diese eine Stelle zu finden, ist mehr als unwahrscheinlich. Man kann mit diesen Grundlagen-Lehrbüchern sehr schön und gefahrlos eine Definition oder Aussage "autorisieren", die man ansonsten nicht belegen könnte. Zudem erweckt man den Eindruck, zusätzliche Literatur zu kennen. Derlei Tricksereien sollte man allerdings nicht übertreiben.

Zitiert man Autoren, sollte man darauf achten, dass diese aus dem Umfeld des AO-Fachbereichs der FernUni stammen! Jeder Mensch hört gern Bekanntes, und der Korrektor wird gern seine eigenen Vorbilder und Lehrer in der Klausur wiederfinden, auch deshalb, weil er diese in der Regel am besten kennt. Es lohnt sich also, sich diese Autoren etwas genauer anzuschauen. Es sind dies vor allem die Kursautoren Wiendieck, v. Rosenstiel, Hacker etc., für den historischen Background Lewin, Neuberger (im Kurs oft zitiert), Etzioni (dito), und andere. Kriterien für die Wichtigkeit eines Autors sind die Anzahl seiner im Gesamtliteraturverzeichnis angegebenen Publikationen und wie oft er im Kurs erwähnt wird. Es ist hilfreich, sich über die Autoren einen gewissen Überblick zu verschaffen (wer kritisiert gerne was usw.), da dieses Wissen zur Begründung des "eigenen Standpunktes" bei Kritik, Anmerkungen o.ä. nützlich sein kann.

Schlussfolgerungen

Der erste Teil des Hauptteils der Klausur besteht also aus den Definitionen und Theoriedarstellungen. Im zweiten Teil wird es dann zur Sache gehen; hier ist eventuell ein Vergleich von Theorien gefragt oder die Anwendung der Theorien anhand von Beispielen aus der Praxis. Die meisten Schwierigkeiten werden wohl eher in diesem Teil liegen. Wie man das macht (oder nicht macht), kann man am besten an den Klausur- und Hausarbeitsbeispielen im Web sehen.

Kleiner Exkurs: Automatische Korrektur von Aufsätzen durch Computerprogramme

Was sich zunächst wie ein Witz liest, ist seit einigen Jahren in den USA durchaus gang und gäbe. Schüler und Studenten tippen ihren Aufsatz in den Computer, der bewertet die Geschichte dann und danach geht das ganze noch zu einem menschlichen Korrektor, der das Ergebnis kurz überprüft. Diese Methode soll "gerechter" und vor allem arbeitssparender sein. Nach manchen Studien soll das Computerprogramm eine bis zu 95%ige Übereinstimmung mit menschlichen Korrektoren erreichen.

Nun gibt es zwei mögliche, ganz verschiedene Schlussfolgerungen, die man daraus ziehen kann.

1. Wow, was sind unsere Computerprogramme toll - die verhalten sich fast wie Menschen! Wir haben künstliche Intelligenz geschaffen und dürfen uns jetzt auf die Schulter klopfen.

2. Nicht die Computer verhalten sich wie Menschen, sondern die Korrektoren wie ein Computerprogramm. D.h., die formalen und inhaltlichen Kriterien, wie sie im Programm formuliert sind, werden auch von den Korrektoren mehr oder weniger gleich angelegt. Das bringt uns zu der ganz pragmatischen Frage (unter dem Gesichtspunkt der Klausuroptimierung), was diese Kriterien sind, nämlich:

a) Die statistische Häufigkeit von Fachbegriffen zum jeweiligen Thema,
b) das Vorhandensein von kausalen Konnektoren wie "daraus folgt", "also", "folglich", "zeigt, dass" und so weiter.

Interessanterweise finden wir ähnliche Kriterien auf einer (sehr lesenswerten!) Webseite mit Klausurempfehlungen des Fachbereichs Ökologische Psychologie:

10. Eigene Stellungnahme / kritischer Vergleich

Sachlich argumentieren; genau begründen, warum was (z.B. Grundannahmen, Operationalisierungen, Schlussfolgerungen aus empirischen Untersuchungen o.ä.) kritisiert wird:

  • weil....
  • denn....
  • zu sehen an.....
  • wie .... zeigt,....

Ende des Exkurses.

Die eigenen Schlussfolgerungen werden von den Korrektoren vermutlich strenger gelesen als der Teil mit der Theoriedarstellung, da man hier nicht so einfach mit einem Lösungsschlüssel vergleichen kann. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Kann man die Definitionen und Theorien zur Not noch auswendig lernen, erweist sich hier, ob der Prüfling das Gelernte auch wirklich richtig anwenden kann - "richtig" natürlich vom Standpunkt der AO-Psychologen.

Hier sind inhaltliche Aspekte also wichtiger als der Stil - dennoch gelten auch hier die oben aufgestellten Stilregeln, sowie das "Automatischer-Korrektor-Prinzip", also möglichst viele Fachtermini, das Ganze in etwas Schlußfolgerungs-Sauce gerührt mit einem Spritzer Kritik - fertig. Was Du schlussfolgerst, dürfte dabei so ziemlich belanglos sein (traurig, aber wahr!), solange es wissenschaftlichen Kriterien genügt, d.h. sich nicht selbst widerspricht oder offenkundiger Unsinn ist. Bewertet wird hier aber nicht nur der Inhalt (Beispiele und persönliche Meinungen, in denen sich Werte ausdrücken, kann man schlecht mit Punkten bewerten), sondern auch die Art und Weise, wie der Inhalt "rübergebracht" wird und ob er den formalen Kriterien entspricht. Besser ist es allemal, sich auch bei der Anwendung der Theorien und Untersuchungen auf die Kurstexte zu beziehen. Insbesondere sollen die Kritikpunkte an vorher deutlich erklärten Aspekten festgemacht werden; allgemeine Kritik ist in der Regel fehl am Platze.

Kritik (Kritische Betrachtung der Forschungsmethodik)

Dass ein Informatikstudent, der zum ersten Mal mit der Psychologie in Kontakt kommt, die methodologischen Grundlagen richtig erkennen und dann auch noch sinnvoll kritisieren kann, ist sehr unwahrscheinlich. Etwa so wie ein Psychologe, dem man das Datenstrukturen-Skript in die Hand drückt und von ihm verlangt, er solle jetzt schnelle Algorithmen entwerfen. Die Korrektoren wissen das und werden es daher mit der geforderten "kritischen Betrachtung der Forschungsmethodik" nicht so genau nehmen. Persönlich rate ich, davon die Finger wegzulassen: Man outet sich auf diesem Gebiet schnell als absoluten Nullblicker und verscherzt Sympathien, wenn man nicht ganz genau weiß, worum es bei Operationalisierungen und intervenierenden Variablen, Varianz, statistischer Signifikanz, Reliabilitäts- und Validitätskoeffizienten geht. Natürlich kann man sich daran versuchen. Erfolgversprechender ist aber meiner Ansicht nach die Kritik auf einem höheren Niveau als der Statistik: nämlich da, wo es darum geht, die Modellerkenntnisse auf die Wirklichkeit zu übertragen. Hier hapert es in den meisten Fällen, und das geben auch die Psychologen offen zu. Wenn man also kritisiert, dann da, wo offenkundige Unstimmigkeiten von Aussagen mit der Realität bestehen, wo (Deiner Ansicht nach) wichtige Effekte und Variablen weggelassen werden, wo Modelle und Theorien zu einfach sind, als dass sie auf die komplexe Außenwelt übertragen werden können, oder da, wo Laborerkenntnisse generalisierend auf die Praxis angewendet werden. Das sind alles legitime Kritikpunkte, und diese werden im Kurs auch angeführt. Bedenke: Niemand verlangt wirklich eine geistig-kreative Leistung von Dir! Und glaube ja nicht, die Psychologen wollten ein "Feedback" von einem Informatiker über ihre eigene Domäne hören! Die Klausur ist ein rein formaler Test, wie gut Du es schaffst, den "Code zu knacken" und den Stoff zu strukturieren, auswendig zu lernen und wiederzugeben.

Der Schluss

Das Ende der Klausur hängt vom Thema ab. Interessant wäre hier, einen weiteren Ausblick zu geben (eventuell auf aktuelle oder zukünftige Forschungsprojekte, bisher unerwähnte Theorien oder ähnliches). Formulierungen wie "Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich den Stoff der AO-Psychologie sehr interessant und informativ gefunden habe" wirken kindisch und einschmeichelnd, tragen nach meiner Einschätzung nicht zu einer besseren Note bei und können vorteilhafterweise weggelassen werden. Wenn das nicht aus der Klausur selbst hervorgeht, bringt so eine Behauptung auch nichts mehr.

Zusammenfassung

Die Klausur besteht aus einem
Deckblatt, einer 
Einleitung (Übersicht), einer
Gliederung, die auswendig gelernt werden muss, den
Definitionen, die auswendig gelernt werden müssen, einem
Theorienteil, der ebenfalls auswendig gelernt werden muss, und einem Teil mit
eigenen Anwendungen und Schlussfolgerungen, in dem man auf der Grundlage der Theorien relativ frei phantasieren kann.

Der effektive Lernaufwand besteht also aus

  1. Auswahl von zwei oder drei Themen, die vermutlich drankommen,
  2. Stoffsammlung zu diesen Themen (auf ca. 3-5 A4-Seiten, stichwortartig), eventuell anhand der Beispiellösungen im Kurstext,
  3. [optional:] Abgleichen mit dem Material anderer Studenten im Web und mit Sekundärliteratur,
  4. Herausschreiben von Definitionen,
  5. Ausarbeiten einer Gliederung zu diesen Themen, möglichst sauber und elegant,
  6. Strukturieren des Lernstoffes in diese Gliederung ("Wissensbaum"),
  7. [optional für eine bessere Note:] Sammeln von Zusatzinfos aus Sekundärliteratur, insbesondere historische Grundlagen und methodologische Kritik,
  8. Auswendiglernen der Definitionen, der Gliederungen und des Stoffes, 
  9. Übungen unter Klausurbedingungen, insbesondere Formulierungen, bis man nichts mehr vergisst,
  10. Selbstkorrektur der Übungen anhand der von den Fachbereichen vorgegebenen Qualitätskriterien,
  11. einigen Überlegungen, welche Praxisbeispiele man dann bringen könnte plus deren Vorbereitung.

Zusätzlich sollte man sich noch ein breites Fremdwörterrepertoire zulegen; die AO-Psychologie bietet einen unerschöpflichen Fundus von wirklich phantastischen Fremdwortkonstruktionen, z.B. "Implizites Hypothesengerüst – Ausprägungsdimension – Operationalisierung über Streuungs- bzw. Objektivitätsmaße" - ein Sprachschatz allererster Güte, den man nicht ungenutzt liegenlassen sollte! Während dem Lesen der Kurse kann man die tollsten Sachen rausschreiben und dann in den Übungen einsetzen.

Je früher man mit dem Auswendiglernen anfängt, umso öfter kann man das Wissen auffrischen und im Langzeitgedächtnis verankern. Was man sich partout nicht merken kann, haut man sich kurz vor der Prüfung noch mal in die Birne und schreibt es dann gleich auf Konzeptpapier.

Ganz wichtig: Nur die Übung macht den Meister!

Was man beim Lernen vermeiden sollte

Vermeiden sollte man, sich einen unstrukturierten Stoffbrei einzutrichtern, in der Hoffnung, diesen dann in der Klausur irgendwie in eine sinnvolle Form zu bringen. Struktur und Inhalt gehören in dieser Klausur zusammen und werden beide stark gewichtet. Frau Preisendanz beklagt insbesondere das häufige Fehlen eines "roten Fadens". Den sollte man also schon zur Klausur mitbringen.

Vermeiden sollte man auch, sich zuviel vorzunehmen und sich in Kleinigkeiten zu verzetteln. Der an hierarchisches Denken gewöhnte Informatiker kann sich z.B. einen "Wissensbaum" anlegen, in den er schön sauber getrennt die einzelnen Kernaussagen einordnet. 

Nur Stichworte zu lernen, bringt ebenfalls wenig. Die Ausformulierung sollte schon einigermaßen sitzen, und manche (ich zum Beispiel) können sich die Inhalte dann auch leichter merken.

Wie Du lernen sollst und wie Du Dich für das Lernen motivierst, musst Du selbst herausfinden, falls Du es nicht ohnehin schon weißt. Im Internet und im Buchhandel gibt es dazu genügend Infos, die sich ohne weiteres auf den hier vorliegenden Stoff anwenden lassen.

Schlusswort

Ich hoffe, diese Hinweise konnten Dir ein paar Tips zur Vorbereitung geben. Allen Mitstudenten und Mitstudentinnen wünsche ich viel Erfolg, auch für den Rest des Studiums! Und wenn's geschafft ist, viel Spaß beim Vergessen! :-)

Und hier ist der Erfahrungsbericht, wie es mir selbst ergangen ist.

Literaturhinweise

Allgemeine Lehrbücher

Spezielle Fachbücher

Habe ich keine gelesen und kann daher keine Empfehlung abgeben.

Web-Ressourcen