Erfahrungen mit der Prüfungsklausur
"Arbeits- und Organisationspsychologie"
für Bachelor Informatik, FernUniversität Hagen
Leo Meyer (leo@leomeyer.de), Fernstudent
Dezember 2004
(als Fortsetzung der "Tips und Hinweise zur Prüfungsklausur AO-Psychologie")
Und so ist es mir ergangen
So langsam wurde es ernst. Nachdem ich etwa eine Woche gebraucht hatte, die vorstehenden "Tips und Hinweise" auszuformulieren, hatte ich noch etwa zwei Wochen Zeit, um auf die Klausur zu lernen; die Skripte hatte ich vorher nur oberflächlich durchgelesen.
Vorbereiten wollte ich mich auf das Thema "Persönlichkeitsförderliche Arbeitsgestaltung in der IT-Branche", sowie auf irgendein Gruppenthema. Ich habe dann angefangen, Material zusammenzutragen; d.h. die Kurse durchgesehen und wichtige Begriffe und Sätze herausgeschrieben, sowie einige Formulierungsversuche gemacht; das hat sich dann für die Klausur als sehr wertvoll erwiesen.
Außer dem Einführungskurs, den ich relativ gründlich bearbeitet habe, habe ich sonst nur die angegebene Sekundärliteratur verwendet, insbesondere Ulich, 1994.
Einige Dokumente, die dabei entstanden sind:
AO_Schlüsselbegriffe.doc
AO_Strukturvorgaben.doc
AO_Abschlussklausur_Vorbereitung.doc
Es wird euch nicht viel bringen, diese Dokumente durchzulesen; macht sie selbst und lernt dabei das gezielte Extrahieren und Umformulieren von Information aus Texten sowie das Ausformulieren der eigenen Gedanken. Das notwendige Faktenwissen lernt man, indem man das, was einem wichtig erscheint, in eigenen Worten wiedergibt.
Sehr wichtig für mich war das Durcharbeiten von Sekundärliteratur, da das Thema, das ich in der Klausur schließlich gewählt habe, im Kurstext nur am Rande vorkam! Ich kann nur allen Studenten empfehlen: Nutzt das Angebot der Uni-Bibliothek! (Und das gilt nicht nur für die AO-Psychologie.)
Einige Lehrbücher, insbesondere das von Eberhard Ulich, sind wirklich hervorragend geschrieben und eignen sich gut als Bett- und Sofalektüre. Die gute Strukturierung erleichtert das Lernen. Ich habe nur einige wenige Kapitel durchgearbeitet, die mir interessant schienen.
Eigentlich wollte ich mich ja an meine eigenen Tips halten, ich habe es dann aber nicht geschafft; das Ganze war mir dann doch zu aufwendig. Außerdem bekomme ich ein paar Tage vor Klausuren manchmal eine Art Nervositäts-Blockade; ich kann mich dann nicht mehr so auf den Stoff konzentrieren. Ich kam also zur Klausur und war nicht ganz so gut vorbereitet, wie ich gehofft hatte. Eigentlich kannte ich nur das Thema "Persönlichkeitsförderlichkeit" einigermaßen, und war dann ganz schön enttäuscht, als das in der Klausur gar nicht drankam - um nicht zu sagen, ich fiel aus allen Wolken.
Entschieden habe ich mich für das Thema "Stellen Sie die Handlungsregulationstheorie dar und zeigen Sie auf, welche Arbeitsgestaltungsmaßnahmen aus ihr ableitbar sind". Das hatte noch einigen Bezug zur Persönlichkeitsförderlichkeit, wo es ja auch um Arbeitsgestaltungsmaßnahmen geht, und das habe ich dann, so gut es ging, entwickelt.
Ich musste also zuerst in meinem Gedächtnis kramen, was noch von der Handlungsregulationstheorie übrig war. Eine Technik, die dabei sehr hilft, ist das sogenannte Assoziogramm (manchmal auch Clustering-Verfahren genannt). Man schreibt die zentralen Begriffe aufs Konzeptblatt und assoziiert dann alles drumherum, was einem einfällt. Innerhalb von zehn Minuten hatte ich dann genug Material, um eine Gliederung zu machen, in der die Handlungsregulationstheorie (Hacker) sowie das Prinzip der vollständigen Aufgabe (Ulich) vorkamen; dann fiel mir noch das Operative Abbildsystem (OAS) ein, und damit war der Stoff beisammen. Aus meinen Vorbereitungen hatte ich noch ein Beispiel im Kopf (Der Coding Monkey - Programmierarbeit im Großraumbüro), das ich schon mal komplett ausformuliert hatte. Das hat mir sehr viel gebracht, da ich es direkt in die Klausur einbauen konnte. Als zweites Beispiel fiel mir noch das Xtreme Programming ein, als krasses Gegenbeispiel zum Coding Monkey, und anhand dieser kontrastierenden Beispiele habe ich dann die erwähnten Theorien verglichen und ihre Anwendungen dargestellt. Innerhalb der zwei Stunden habe ich etwa 12 Seiten produziert (nachher hatte ich einen Schreibkrampf), eine kurze Einleitung fabriziert und das Kapitel über das psychologische Menschenbild aus meiner Vorbereitung als Hinführung in gekürzter Form eingebaut.
Danach war ich ziemlich fertig - nach meiner Einschätzung hätte es genausogut eine Eins wie eine Fünf sein können; ich hatte keine Ahnung, wie die Klausur bewertet werden würde.
Mitte Dezember musste ich mal nach Hagen in die Bib und ging bei den AO-Psychologen vorbei, um mich nach meiner Klausur zu erkundigen. Die Dame, mit der ich sprach, war sehr nett und meinte: "Gehen Sie nur beruhigt in die Weihnachtsferien, wir wissen ja, dass Informatiker keine Psychologen sind, und werden das angemessen berücksichtigen."
Ende Dezember kam dann das Klausurergebnis, was mich höchst angenehm überraschte: 1,3! Meine beste Note in einer Klausur bisher. Keine Frage, dass ich mich riesig über die Note gefreut habe. Schließlich bin ich durchaus kein typischer Einser-Student; Dabeisein ist alles, Durchkommen noch besser!
Die Kommentare will ich euch nicht vorenthalten, da sie Hinweise geben, auf was die Korrektoren Wert legen.
Kommentar Erstgutachter (Prof. Dr. Gerd Wiendieck): "Eine sehr gute Leistung, da in dieser - zudem nur zweistündigen - Klausur nicht nur absolut stringent und theoriefundiert sondern [sic] gleichzeitig auch noch kritisch reflektierend die Thematik Handlungsregulationstheorie mit den Begriffen Handlung, OAS, Zielsetzung, Rückkopplungsprozesse,... differenziert dargestellt und diskutiert wird. Das hohe Niveau dieser Arbeit spiegelt sich auch durch den durchgehenden wissenschaftlichen Bezug wider. Wünschenswert wäre allerdings eine umfangreichere Bearbeitung des Bereiches "Arbeitsgestaltungsmaßnahmen" gewesen. Die Anbindung des theoretischen Wissens an das Beispiel (extreme Programmierung) ist sehr gut gelungen." |
Für Professor Wiendieck sind also die differenzierte Darstellung und Diskussion von Begriffen und Theorien wichtig. Wie allerdings die kritische Reflexion in der Klausur vorkommen soll, kann ich nur erahnen; wahrscheinlich ist das so eine Sache "zwischen den Zeilen". Der "durchgehende wissenschaftliche Bezug" ist ganz klar die Verwendung von Autorennamen und Jahreszahlen, mit denen ich die Klausur gespickt habe; viele davon haben allerdings auf allgemeine Lehrbücher verwiesen (siehe Trick 17b). Beim Beispiel Xtreme Programming habe ich alle möglichen Aspekte direkt auf die Theorien bezogen und genau gezeigt, wo sich welche Beziehungen ergeben; das ist ganz gut angekommen.
Kommentar Zweitgutachterin (Dipl. Psych. Astrid Voß-Leibl): "Die Beantwortung der Frage gelingt Ihnen sehr gut, es gibt eine gute Hinführung zum Thema, Sie gehen souverän mit den Begrifflichkeiten und Definitionen um. Sie lassen eine angemessene theoretische Fundierung erkennen und gehen neben den Darstellungen der Theorien von Hacker und Ulich auch praxisbezogen an die Fragestellung heran. Sie beziehen die Fragestellungen auch auf das Gebiet der Informatik. Insgesamt zeigen Sie einen reflektierten Umgang mit den theoretischen Details, bestimmen jedoch auch Ihre eigene Position und sind klar in der Struktur Ihrer Darstellung. Eine insgesamt sehr erfreuliche Beantwortung der Fragestellung, die besonders wegen des guten Praxisbezuges von mir mit 1,3 bewertet wurde." |
Dieser Korrektorin gefallen die Hinführung (die mir auch einige Mühe gemacht hat), und der Praxisbezug.
Ein guter Teil der Note kommt durch die Gliederung zustande ("klar in der Struktur"). Ein anderer Teil ("absolut stringent", "souverän") ist wahrscheinlich dem verwendeten Stil zuzuschreiben, auf den ich hier nochmals die Aufmerksamkeit lenken möchte (Stilanalyse AO-psychologischer Texte). Es lohnt sich also wirklich, diesen Stil vor der Klausur gründlich zu üben, und vor allem die Begriffe, Fachtermini und wesentlichen Sprachkonstrukte intus zu haben.
Ein Kommilitone hat dieselbe Klausur mit demselben Thema geschrieben; er hat nur etwa sechs Seiten abgeliefert und seine Klausur war natürlich ganz anders als meine. Er hat eine 2,7 bekommen und will die Klausur nochmals schreiben (Freischußregelung). Ich möchte allen empfehlen, frühzeitig einen Freiversuch zu machen und ein Feedback zu bekommen, wie man bei der Klausur abschneidet. Um ehrlich zu sein, mir hätte eine 2,7 auch schon gereicht, auch wenn ich dann meine "Tips und Hinweise" nicht ins Internet gestellt hätte. Ich denke aber, dass diese sich (in meinem Fall wenigstens) ganz gut bewährt haben, und möchte zum Abschluß nochmals allen Kolleginnen und Kolleginnen viel Erfolg bei der Prüfung wünschen.