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Lürik

Widmung

O du holder Leser mein, 
Dir nur will ich schmeicheln,
Und mit süßer Worte Seim
Dir das Hirn erweicheln.


Die verpasste Gelegenheit (sentimental)

Verzeih mir, Muse, dass ich nicht geküßt
Als du mir deinen Kußmund vorgehalten.
Der Zucker, den ich fraß, nun rächt er sich!
In deinem Amte ließ sich trefflich walten.

Den Schmerz im Angesicht, nun wendet sich die Holde
Weit ab von mir, ich bin ihr wohl zu alt.
Und küssen dürft ich nicht, wenn ich auch wollte -
So walt ich meines Amtes weiter halt.

Im Mai ein Blumenstrauß, im Herbst Korinthen,
Im Winter Hasenklee, im Sommer Kraut,
Wo soll ich suchen, um dich nie zu finden
Du meines Schicksals langersehnte Braut?

Bei Mondes Licht, bei Sonne, Sternenscheine?
In Wald und Feld, im Kreise der Natur?
Im Kühlschrank gar, du eine, reine, feine,
Inmitten Blutwurst, Speck und altem Le Tortur?

Wer einmal Mountes Everestes Höhen
Erklommen hat, wo von der Stirne kalt
Die Eiseszapfen klirrend widertönen,
Der steigt hinauf wohl wieder nicht so bald.

So laßt mich denn auch diesen Reim beenden.
Vom Anfang bis zum Ende ist's nicht weit.
Und krankt es hie und da, laßt es bewenden,
and blame it on the muse, s’ist Schlafenszeit.

Physikers Nachtlied

Schlaf gut, schlaf gut, mein Zyklotron!
Es summen im Traum die 'Lektronen.
Es brummt die Welt. Subatomar!
Im flirrenden Tanz der Photonen.

Ein jedes Bosönchen 
gibt ein Tönchen.

Schlaf gut, mein liebes Kondensat
bei tausend Kelvin und hundert Bar.
Denn alles ruht, nur einsam wacht
Ein verschränktes Elektronenpaar.

Die Supraleiter
schnarchen heiter.

Gut Nacht, gut Nacht, mein Zyklotron!
Mit deinen starken Magneten!
Wir wolln die Materie zerkneten,
und dann gibt's Quark mit viel Proton.

Schlaft gut, ihr kleinen Teilchen!
Ich hab euch alle lieb!
Und Gott, falls es dich gibt:
Zu Weihnachten wünsch ich mir sehr
Einen kleinen Teilchenbeschleunigér.


Ode an das leere Notizbuch

Ei! Wie viele leere Seiten
In dem Buche! Welch Entzücken!
In den kommenden Gezeiten
Will ich euch mit Text beglücken!


Motto

Ich wünscht, ich hätt ein Sturmgewehr
Und die Lizenz zum Töten.
Ich fürchte gar, die arme Welt,
Sie wäre sehr in Nöten.
Doch leider sind der Narrn zuviel
Auf diesem Erdenballe
Als daß mit einem Sturmgewehr
Man alle brächt zu Falle.
Ich schriebe auf mein Banner mir
Die Dummheit auszumerzen.
Gewönn ich doch durch diese Tat
Der großen Geister Herzen.
Und ach! Die weise Staatsgewalt
Beschützet ja die Toren.
Ich würde bis ans Lebensend
In grauen Löchern schmoren.
Ich schöß, auf Kimme und auf Korn,
Kein einzig Mal daneben.
Es kostete mein grimmer Zorn
Vieltausende das Leben.
So komme ich denn nicht umhin
Euch alle zu verschonen.
Doch lobet wenigstens, ihr Leut,
Die guten Intentionen!

mit Helge, 27.10.02


Torisch

Freilich bin ich hochgeboren.
Doch der Zweifel schleicht sich ein,
Ob ich, unter tausend Toren,
Selber nicht - ein Tor möcht sein?


Lygisch

Fuchs, du alter Psycholog!
Ich mit Weibern, du mit Trauben -
Daß ich mich einst selbst belog
Mag ich heute kaum noch glauben!


Mixolygisch

'Ich liebe dich in keiner Weise.'
Dies denk ich laut, und sag ich leise.
Doch hast du mich so sehr betört -
Ich glaub, ich hab mich überhört?


An die Entwichene

Holdestes Mädchen! Es streift mich
Schon aus der Ferne dein Blick.
Und aus der Nähe ergreift mich
Lust zu einer Replik.
Aber, o Glückes Vermind'rung!
Kalt weisest du mir den Hintern.
Dennoch, mit solcher Erinn'rung
Kann man getrost überwintern.


Religiöser Sinnspruch

Bin ich verdrießlich, so kömmet der Pfaff mir zupaß.
Doch bin ich vergnüglich, jag ich ihn hurtig fürbaß.


Der verlorene Plural

Es stand ein Janitschar
Unterm Deodar
Und suchte seinen Plural.

Es stand auf einer Bruck
Ein Mameluck
Und suchte seinen Plural.

Verzweiflungstat!
Das Ende naht!

Der Janitschar hat sich erhängt,
Der Mameluck hat sich ertränkt.

Da sieht der Mensch, wie sehr er doch
Am Plural hängt.