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Laptop einschalten und ausschalten per Telefon

Zuhause betreibe ich einen Fileserver, der aus einem älteren HP Omnibook XE3 und einer 500GB-Festplatte besteht. Diese Kombination verbraucht im Durchschnitt etwa 30 Watt bei ständigem Betrieb, d.h. bei Stromkosten von 1,70 €/W/Jahr kostet der Spaß fast 50 Euro. Diese Stromkosten wollte ich minimieren.

Die Lösung besteht darin, das Laptop nur bei Bedarf einzuschalten. Nun sollte das Einschalten remote erfolgen können, und zwar sowohl von innerhalb der Wohnung aus als auch von extern. Da bietet sich ein ungenutzter Telefonanschluss an der FRITZ!Box Fon WLAN 7170 an.

Der Laptop sollte sich beim ersten Klingeln einschalten. Danach soll er auf weitere Klingeltöne erst mal nicht reagieren, da er sonst gleich wieder ausgehen könnte. Gerade die FRITZ!Box klingelt gerne mal nach, auch wenn man schon aufgelegt hat. Also: Wenn das Telefon klingelt, soll für ca. eine halbe Sekunde ein Relais geschaltet werden, das den Laptopschalter überbrückt. Danach soll das Relais für mindestens 20 Sekunden nicht mehr auf Klingeltöne reagieren.

Die Schaltung dazu ist recht einfach und sieht folgendermaßen aus:

EAGLE-Schema herunterladen

TEL-1 und TEL-2 werden an die FRITZ!Box angeschlossen. TEL-1 muss an den positiven Anschluss; LED1 leuchtet bei Falschpolung der Anschlüsse. R1 lädt über den Gleichrichter D1 den Puffer-Kondensator C1 langsam auf 13 V auf. Danach ist die Schaltung betriebsbereit. Wenn es nun klingelt, gelangt der Klingelimpuls über das RC-Netzwerk R2 bis R4 und C2 bis R4 an die Basis von T1, der durchschaltet. D3 begrenzt die Spannung an der Basis und leitet negative Impulse nach Masse ab. Wenn das Relais anzieht, schaltet T2 durch, da seine Basis gegenüber dem Emitter an U+ negativ wird. Dadurch gelangt die Versorgungsspannung an die Basis von T1 und die beiden Transistoren halten sich gegenseitig, bis der Strom durch sie und das Relais sowie die negativen Impulse von der FRITZ!Box den C1 bis auf ca. 0,5 V leergesaugt haben. Die Transistoren sperren dann wieder und C1 wird über R1 langsam aufgeladen. Bis das Relais wieder anziehen kann, dauert es ein bisschen, und der Laptop ist zunächst mal vor einem schnellen Wiederausschalten geschützt.

Für die Transistoren tun es irgendwelche Kleinsignalbauteile mit einem Beta von ca. 100. Für das Relais empfiehlt sich ein 12V-Kleinrelais mit einem Widerstand von nicht weniger als 1 Kiloohm. Das Relais sollte bis zu einer Spannung von ca. 3 bis 4 Volt hinunter eingeschaltet bleiben. Mein Relais (irgendwo ausgebaut) hat 1,2k und schaltet bei ca. 3,5 V ab. Bei mir reicht das für etwa eine halbe Sekunde Schalten aus. Wenn das Relais zuviel Strom zieht, reichen 1000 µF für C1 vielleicht nicht. Dann erkennt der zu schaltende Laptop womöglich den Einschaltimpuls nicht und geht nicht an. In diesem Fall hilft das Vergrößern von C1 oder das Parallelschalten eines weiteren 1000 µF-Kondensators. Allerdings verzögert sich dann die Zeit, bis die Schaltung wieder betriebsbereit ist; das dürfte allerdings nichts ausmachen, da der Laptop ohnehin geraume Zeit zum Hochfahren braucht.

Die Schaltung kann natürlich auch an anderen Telefonanlagen als an der FRITZ!Box betrieben werden. Falls die Spannung an den Anschlüssen der Anlage wesentlich geringer ist als 45 V, sollte R1 verkleinert werden. Als Faustregel: 25 kOhm pro 10 V Anlagenspannung. Der Ruhestromverbrauch ist recht gering; an einer Eumex mit 24 V und 56 k für R1 betrug er nach dem Laden von C1 125 µA. An der FRITZ!Box mit den Werten in der Schaltung dürfte er in einem ähnlichen Bereich liegen.

Zum Aufbau der Schaltung auf einer Lochrasterplatine schlage ich folgende Tips vor:

1. Den Stromversorgungsteil bis C1 von links aufbauen und am 24 V-Labornetzteil testen. Auch das Aufleuchten der LED bei Verpolung testen. Bei niedrigen Spannungen leuchtet die LED eventuell sehr schwach.

2. T1, das Relais, D4 und R5 einbauen. Wenn man R5 an U+ legt, muss das Relais schalten und man bekommt schon ein Gefühl für die Dauer des Einschaltimpulses.

3. R6 und T2 hinzufügen. Der Eingang ist so empfindlich, dass das Berühren von R5 mit dem Finger ausreichen sollte, um den Schalter zu triggern. Dabei die Spannung über C1 messen (am besten mit einem analogen Multimeter). Diese muss bis auf ca. 0,5 V absinken, bevor sich C1 wieder auflädt.

4. Nun das RC-Netzwerk einbauen und die Schaltung an die Anlage anschließen. Polung beachten und anrufen. Das Relais muss nun beim ersten Klingeln schalten (ein Durchgangsprüfer mit Piepser ist hier sehr nützlich).

Zum Verbinden der Schaltung mit dem Laptop wird dieser geöffnet (Akku vorher entfernen - Kurzschlussgefahr). An den Taster zum Ein-/Ausschalten werden zwei Drähte gelötet (richtige Anschlüsse beachten):

Die Drähte führen nach hinten an eine 3,5 mm-Klinkenbuchse, die mit einer Kontermutter verschraubt und mit Heißkleber befestigt ist (das kann eine knifflige Operation sein):

Achtung: Drähte erst nach dem Einbau der Buchse anlöten, damit sie nicht verdreht werden. Je nach Laptop sind die Einbaumöglichkeiten oder -unmöglichkeiten natürlich unterschiedlich.

Mit einem Klinkenstecker wird der Laptop an das Relais angeschlossen und kann dann über einfaches Anrufen ein- und ausgeschaltet werden. Natürlich sollte dazu eine externe Nummer verwendet werden, die niemand anders bekannt ist.

Der Laptop soll sich bei Nichtbenutzung automatisch herunterfahren oder besser noch in den Standby-Modus versetzen. Auf meinem Laptop läuft ein SuSE Linux 10.3; die Skripten zur Automatisierung diesbezüglich folgen nach (sobald sie fertig sind).

Diese Bauanleitung ist für erfahrene Bastler gedacht. Ich hafte nicht für eventuelle Schäden an Ihren Geräten oder Ihrer Gesundheit! Der Nachbau der hier beschriebenen Schaltungen erfolgt auf Ihr eigenes Risiko.