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Der Kamin

Wie man mit einfachen Mitteln einen solchen erbaut und in Betrieb nimmt.

Mit vielem Dank an Matthias und André, ohne deren tatkräftige Hilfe und Ratschläge die Sache sicher nicht so glimpflich ausgegangen wäre.

 

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Inhaltsverzeichnis

1. Der Urzustand

Um einen Kamin herzustellen, nehme man eine geeignete Zimmerecke, reinige sie gründlich und zeichne die gewünschte Form des Kamins mit Bleistift ein. Danach schreite man zur Vollendung des großen Werkes.

2. Das Loch in der Decke

Um ein Loch in der Decke herzustellen, verlasse man sich auf einen lokalen Experten, der auch gleich die Stahlarmierung aus der Decke entfernt. Die genaue Position des Loches sollte man allerdings selbst bestimmen.

3. Das Fundament

Ein Fundament erhält man durch Ankleben eines Bleches auf den Boden und Daraufsetzen einiger Backsteine, die man untereinander mittels Zement verbindet. Ich würde verzinktes Blech verwenden (wenigstens beim nächsten Mal), es sei denn, man findet Rostflecken ästhetisch.

4. Die Feuerstelle

Die Planung der Feuerstelle bedarf einiger Sorgfalt. Etwas dünnere Backsteine (am besten natürlich Schamottesteine, aber wir hatten nur Second-Hand-Ziegel, dafür etwas billiger) legt man zwischen T- bzw. Winkeleisen auf Blechstreifen, damit nichts durchfällt. Zum Anfertigen der Blechstreifen lasse man einen Flaschner kommen, der die Arbeit mit höchster Genauigkeit und zur Zufriedenheit aller Beteiligten durchführt:

Das fertige Fundament bekommt einen estrichähnlichen Überzug und sieht dann so aus:

5. Das Kaminrohr

(Der Experte von der Maurerzunft ist mittlerweile auch fast fertig:)

Bei einem Blechwallah (oder nennt man das Flaschnerei?) lasse man ein Ofenrohr anfertigen, das mindestens über eine verstellbare Drosselklappe, ein Türchen und eine Haube verfügt. Hierzu sollte man dann wirklich verzinktes Blech nehmen.

 

Unterhalb sieht man den Drehknopf für die Drosselklappe. Man muss sagen, das haben die Jungs wirklich gut hingekriegt. Matthias war so begeistert, dass er fast damit zum Mond fliegen wollte.

6. Der Renommierbalken

Ein Kamin ist nichts ohne Renommierbalken. Den muss man sich bei einer Sägerei besorgen. Danach schlägt man ein geeignetes Loch in die Wand, zementiert es aus und legt den Balken hinein.

Auf der anderen Seite befestigt man den Balken mit einem Metallstift in der Wand und sichert mit zwei langen verdübelten Schrauben. Und so sieht das dann aus, mit dem Ofenrohr probeweise darübergestellt:

Zum Schutz des Balkens gegen das Feuer setzt man einfach ein geschickt gefalztes Blech ca. 1 cm davor. Das Blech lässt man am besten beim Blechwallah biegen.

7. Das Dach des Kamins

Ich bin mir nicht sicher, ob man das nicht vielleicht auch Deckel oder sowas nennt. Tatsache ist, dass das ganz schön knifflig ist. Eigentlich wollten wir ein Stück Blech daraufsetzen, haben die Idee aber dann verworfen. Zu schwierig, das Blech richtig zu schneiden und zu biegen. Also haben wir einen anderen Weg gefunden, nämlich eine Art Treppe aus Backsteinen mit Winkeleisen als Unterlage. Das sieht auch schöner aus und hat den Vorteil gerader Nutzflächen. Das Problem ist nur, die Winkeleisen zu schneiden. Also, falls man keine solche besitzt, kaufe man eine Flex (auch Winkelschleifer genannt), erde diese gründlich mittels eines an der Pumpe befestigten Drahtes (die Elektriker haben nämlich im Haus die Erdungskabel "vergessen"), und freue sich über diese Errungenschaft der Zivilisation.

Die Freude währte in unserem Fall nicht lange. Eine Phase des Schalters gab den Geist auf, worauf wir sie aber kurzerhand überbrückten. Das löste das Problem. Zur Sicherheit hatten wir ja das Erdungskabel.

Falls es zwischenzeitlich dunkel werden sollte und der Strom ausfällt, arbeite man bei Kerzenlicht weiter. In der Mitte der Stab für den Wasserkessel, im Hintergrund ein Topf, der später sein Leben lassen musste, um als Kragen für das Ofenrohr zu dienen. Das Schutzblech für den Balken hängt man über das erste Winkeleisen.

Damit das Prinzip völlig klar wird, hier noch eine Innenansicht:

Irgendwann ist das Dach dann fast fertig und sieht, mitsamt dem Maurermeister, so aus:

8. Der Ansatz des Kaminrohrs

Dieser gestaltete sich am kniffligsten von der ganzen Angelegenheit. Mittels Blechstreifen haben wir dann die Lücken abgedeckt und das Rohr mit Mörtel eingepackt.

Und so sieht das dann aus:

9. Das erste Feuer

Als der Zement schon angetrocknet war, wollten wir natürlich nicht so müßig vor dem leeren Kamin herumsitzen. Also haben wir kurzerhand in einem kleinen Ofen ein Feuer entfacht.
Und siehe da, die Sache hat wunderbar funktioniert. Die Ritzen zwischen den Backsteinen muss man allerdings gründlich abdichten, sonst qualmt's einem die Bude voll. Und wenn man will, kann man den Kamin auch noch schön verputzen.

10. Was der Spaß kostet

Material:

ca. 100 Backsteine à 1,60 Rs 160 Rs
20 flache Backsteine second hand à 1 Re 20 Rs
1 halber Sack Zement 80 Rs
Sand und Wasser gratis
Ofenrohr komplett 900 Rs
div. Blechteile, Draht, Schrauben ca. 200 Rs
Renommierbalken 500 Rs
Winkel- und T-Eisen incl. Transport ca. 500 Rs

Arbeit:

lokaler Maurerexperte 2 h à 20 Rs 40 Rs
Summe 2400 Rs entspricht etwa 50 Euro

Eingesparte Kosten:

- Architekt
- Statiker
- Handwerker
- Materialkosten

- Baugenehmigung, Roter Punkt
- Inspektion durch Kaminkehrer
- Schmiergelder für Stadträte, Bürgermeister und Kaminkehrer
- Grundsteuer, Mehrwertsteuer
- Versicherungsbeiträge etc. etc.

Schätzt man die eingesparten Kosten auf ca. 15000 €, ergibt sich also insgesamt ein Plus von gesparten 14950 €. Fragt noch jemand, warum man in Indien ein Haus baut???